Philosophie
WARUM HÖLDERLIN? WARUM HÖLDERLIN&CO.?
1. War der Dichter Friedrich Hölderlin psychisch krank?!
Es ist bekannt, dass Hölderlin 36 Jahre in Tübingen im so genannten „Hölderlin-Turm“ arbeitete und lebte. In dieser Zeit war er angeblich schon schwer psychisch erkrankt und mehr oder weniger sozial isoliert. Zeitdokumente belegen, dass er zuvor in einer psychiatrischen Anstalt lebte. Aufgrund verschiedener Zeitzeugenberichte liefert Hölderlin eine Bandbreite und Koexistenz verschiedener psychiatrischer Diagnosen in einer Person. Interessant erscheint die Entstehung und Veränderung seiner Symptome im Kontext seiner sich verändernden Lebenssituationen. Aber auch der Ansatz, dass seine gesellschaftliche Ausgrenzung politischen Zwecken diente, bzw. auf individuelle personelle Machtspiele beruhte, inspiriert uns zur institutionellen Identifikation und Namensgebung von "Hölderlin&Co.“. Ausschlaggebend sind hierbei der systemische Denkansatz und die Entstehung von psychiatrischen Phänomenen als Idee eines Schutz- bzw. Abwehrmechanismus.
2. Die soziale Integration und der lokale Schutzraum durch die Schreinerfamilie „Zimmer“ als Metapher
In der zweiten Hälfte seines Lebens verfasste Hölderlin Gedichte, vermutlich ohne das zuvor erlebte Gefühl von überdurchschnittlichem hohem gesellschaftlichem Druck. Bei den Zimmers wurde er sozial integriert, wie ein Familienmitglied beherbergt. Hier musste er kein Genie sein. Hier konnte er einfach SEIN. Seine Eigentümlichkeiten wurden akzeptiert und nicht bewertet. Das in dieser Zeit entstandene Werk ist von einer detaillierten Bildsprache, einer sinnlichen Beschreibungen der Welt und seiner Wirklichkeit geprägt.
Die aktuelle Hölderlinforschung zeigt, dass sein gesamtes Werk nach wie vor international überdurchschnittliche Beachtung findet. Die Einzigartigkeit seines Schaffens, gerade durch seine hochgradige Empfindsamkeit, ist Anlass für eine stigmafreie Identifikation zahlreicher Betroffener mit der historischen Figur Friedrich Hölderlin und Motivation für diese soziokulturelle Kampagne.
3. Arbeit & Beschäftigung in der Kultur- und Kreativwirtschaft, weil wir glauben, dass es gesund machen kann
Unser Team arbeitet an dem Ziel des gesamten Unternehmens prenzlkomm: Die vollständige Genesung der Klienten im Kontext ihrer Lebenssituation.Wir sind da, wenn es um psychische und geistige Gesundheit geht, auch in Fällen, die so schwierig sind, dass eine Lösung kaum vorstellbar scheint. Wir bleiben dran, auch wenn es länger dauert. Irgendwie findet sich ein Weg. Meist ist es sogar echt intressant, uns in Anspruch zu nehmen. Vielleicht findet sich bei aller praktischen Unterstüzung auch noch eine Idee, gesundheitlich etwas weiter zu kommen. Bei uns arbeiten Ärzte, Psychologen, Pädagogen, Ergotherapeuten, Sozialarbeiter und weitere Mitarbeiter einrichtungsübergreifend Hand in Hand. Für unser Wirken verfügen wir über einen kompletten Psychiatrischen Verbund mit Wohn-, Arbeits-, Begegnungs-, Bildungs-, Sozio- und Ergotherapieprojekte sowie Kinder-, Jugend- und Familieneinrichtungen in Berlin- Pankow und Brandenburg Märkisch- Oderland. Sehr stolz sind wir auf unsere Pferdeprojekte mit 9 Reit- und 100 Wildpferden in Liebenwalde (Brandenburg Oberhavel) und das Gästehaus Tornow am See, ein wunderschönes Herrenhaus in der Märkischen Schweiz, einerseits Pension, andererseits integratives Behandlungszentrum.
Im Umfeld dieser facettenreichen, aber geschützten Arbeitsumgebung können Menschen auch mit schweren psychischen Erkrankungen einen Ort für kreative Beschäftigung finden und innerhalb des psychiatrischen Verbundes behandelt zu werden. Durch die Mischung der Mitarbeiter in unseren Mikro-Projekten, wird die Grenze zwischen gesund und krank aufgehoben. Für den Auftraggeber ist nicht erkenntlich, welche Personen im Team gerade in einem Behandlungsprozess sind und welche als Berufspaten die Arbeitsprozesse anleiten und kontrollieren. Für die Klienten bedeutet diese Umgangsweise ein gewisser Freiraum und die Erprobung einer neuen sozialen Identität. Sie haben die Möglichkeit Berufsbilder der Kultur- und Kreativwirtschaft kennen zu lernen. Allein schon das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe, die Mobilisierung der Talente und Fähigkeiten und kleine messbare Erfolge bewirken in vielen Fällen erstaunliche Fortschritte in der Genesung unserer Klienten.
